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Das erste Mal… und mehr Geschichte

Wann wurde das erste Mal Whisky gebrannt

Die Frage „Wann…“ ist entscheidend bei der Whiskyherstellung. Der vielleicht bekannteste Mann im Whiskybusiness, Jim MacEwan, verließ zu Beginn des neuen Jahrtausends seinen Job in der Distillery Bowmore. Seit Jahrzehnten hatte er sich dort vom Küferlehrling emporgearbeitet bis zum Distillery Manager. Er hatte viel Freud und Leid dort erlebt, hatte eine Menge Freunde und seine Arbeit machte ihm Spaß.
Dennoch ließ er alles stehen und liegen, als er die Chance bekam, auf der anderen Seite des Loch Indaal die Neu-Eröffnung der Distillery Bruichladdich mitzugestalten, und dort seine Vorstellungen eines Malt Whisky zu verwirklichen. Und das „wann“ spielt dabei eine entscheidende Rolle. Nachdem die alten Anlagen bei Bruichladdich wieder so in Stand gesetzt waren, dass es möglich war zu destillieren, saß James nächtelang vor dem Spiritsafe und probierte. Er war auf der Suche nach dem „Wann“. Denn der Moment, wenn der „fore shot“ vorbei ist und der „middle cut“ beginnt und dann wieder wenn der „middle cut“ zu Ende ist und die „feints“ kommen, muss sorgfältig getroffen werden. Darin besteht ein großer Teil der Kunst des Destillierens.
Wir behandeln hier vor allem die Frage, wann das erste Mal Whisky destilliert wurde oder wann es dafür den ersten Nachweis gibt und wie sich die Geschichte danach entwickelte.
Die Herstellung alkoholischer Getränke ist schon seit dem Altertum bekannt. Bierbrauen war vermutlich schon 5000 v. Chr. bekannt, doch erst ca. 800 v. Chr. wird erstmals die Destillation zur Herstellung von Arrak (Palmweindestillat) erwähnt. Es dauerte mehrere hundert Jahre bis wiederum von Destillation die Rede ist, ca. 432 n. Chr. St. Patrick, der Schutzpatron Irlands, wird mit der Destillation in Verbindung gebracht. Als Mönch hatte er wahrscheinlich auf seinen Reisen Kontakt zur Kunst der Destillation erhalten und diese dann nach Europa mitgebracht. Wie der Weg genau war, ob über Frankreich nach Schottland und dann nach Irland oder über Irland nach Schottland, lässt sich heute nicht mehr nachweisen.

Es dauerte wiederum fast 1000 Jahre, bis zur ersten Erwähnung vom Wasser des Lebens: 1494 wird in der Exchequer Roll (Steuertabelle) ein Eintrag vermerkt, der einem Mönchsbruder John Cor erlaubt, 8 bushel Gerste zur Herstellung von aqua vitae, dem Wasser des Lebens, für den König herzustellen. Dies ist der Anfang der beispiellosen Geschichte des Whisk(e)ys, die ihren Siegeszug um die Welt unternahm.

· ca. 800 v. Chr. Arrak Destillation im Vorderen Orient

· 1494  Erste schriftliche Erwähnung von Whisky

· 1776 Glenturret Distillery, Schottland (bezeichnet sich selbst als älteste noch aktive Distillery Schottlands)

· 1823 Erstes wirksames Gesetz zur Besteuerung (Folge: größere und professionellere Destillerien, weniger Schwarzbrennerei)

1823_george

1823 setzte Georg IV zum ersten Mal erfolgreich ein Gesetz zur Besteuerung von Whisky durch (siehe Abbildung) und anschließend wurden die ersten dauerhaften Lizenzen für Destillerien vergeben. Der legale Betrieb war die grundlegende Voraussetzung für den kommenden Erfolg von Scotch Whisky. Dieses Gesetz ist verantwortlich für den Übergang vom Schwarzbrennen zum legalen Betrieb größerer Destillerien, auch wenn ersteres damit noch lange nicht aus der Welt geschafft war. Auch wenn oft 1494 als wichtiges Datum in der Geschichte des schottischen Whiskys genannt wird (erste schriftliche Erwähnung), so ist 1823 für die neuere Geschichte doch ungleich wichtiger.

Wann entstand Blended Whisky

· 1830 – Erfindung Patent Still (Folge: höhere Produktivität, größere Mengen, Blended Whisky wird anschließend möglich)

Das nächste wichtige Datum ist die Erfindung der „continuous still” durch Robert Stein, auch „patent still“ genannt. Seit Urzeiten war im so genannten Batch-Betrieb mit der Pot-Still gearbeitet worden, es wurde immer ein Ladung Getreide nach der anderen gebrannt. Jetzt war ein kontinuierlicher Betrieb, und damit eine beträchtliche Produktionsausweitung, möglich. Dieser Whisky hieß Grain Whisky und durch die Kombination von Malt und Grain Whisky entstand in den darauf folgenden Jahren Blended Whisky.

reblausMalt Whisky + Grain Whisky = Blended Whisky

Um ihre Weine mit „frischem Blut“ zu versorgen, importierten europäische Winzer Reben aus Amerika. Dabei kam allerdings auch die Weinlaus Phylloxera Vastatrix mit. Während die amerikanischen Gewächse eine hohe Widerstandskraft aufwiesen, erlagen die europäischen bald diesem Schädling. Er wurde das erste Mal 1863 im Rhonetal entdeckt und hatte sich bis 1875 über alle Weinanbaugebiete Europas verbreitet. Auch wenn es vielleicht nicht heldenhaft klingt, aber der Blended Whisky verdankt seinen Durchbruch nicht zuletzt dieser Weinlaus, die auf Jahre die Weinlese, und damit auch die Cognac- und Brandy-Produktion, behinderte und zeitweise vollständig unterbrach. Auf der Suche nach einem „Ersatz“ kamen die Konsumenten weltweit schnell zum Blended Whisky.

1870/80er Phylloxera Vastatrix – Wein-/Cognac Produktion liegt danieder (Folge: Durchbruch von Blended Whisky auf dem Weltmarkt)

Wann war Whisky verboten (Amerikanische Prohibition)

Es war eigentlich eine rein amerikanische Angelegenheit, aber die Auswirkungen machten sich auch in Schottland extrem bemerkbar. Die Rede ist von der Prohibition, der Zeit, in der offiziell in den USA kein Alkohol verkauft wurde, aber inoffiziell dafür um so mehr. Auch die historischen Wurzeln lagen in Schottland und Irland, denn die Anti-Alkoholbewegungen waren hier schon immer stark und sie waren zu ihrer Zeit auch nicht unberechtigt. In den Arbeiterslums war die Not oft unbeschreiblich und der einzige Ausweg - wenigstens für ein paar Stunden - war ein Vollrausch. Gleichzeitig aber vertranken die Familienväter oft genug das ganze Wocheneinkommen am Zahltag, so dass Frau und Kinder den Rest der Woche hungern mussten. In den USA war die Lage ein wenig anders gelagert, aber die Lobby der so genannten Teetotaler um so stärker und 1919 schließlich gelang es ihr, landesweit das Alkoholverbot durchzusetzen.

1919 - Prohibition in den USA
(Folge: Auswirkungen auf die Produktion in Schottland)

Die Auswirkungen auf die Produktion in Schottland waren weniger negativ als erwartet. Es gelang, das Importverbot zum einen über Kanada und Westindien weiträumig zu umgehen, und zum anderen Scotch Whisky, der als Medizin deklariert wurde, direkt in die USA zu importieren. Trotzdem bedeutete die Prohibition natürlich eine Erschwernis und die schlechte Wirtschaftslage weltweit tat das Übrige. Trotzdem gab es in den 20er Jahren neue Produktionsrekorde.

1933 – Ende der Prohibition
(Folge: Kurzzeitige Erholung)

Das Jahr 1933 selbst war trotz des Endes der Prohibition nicht gerade ein Jubeljahr, denn in diesem Jahr hatten bis auf Glen Grant und Glenlivet alle Malt Destillerien ihre Produktion niedergelegt, weil die Bestände zu groß waren. Bis zum Zweiten Weltkrieg verbesserte sich die Lage zeitweise wieder.

Wann wurde Whisky zur Nr. 1 unter den Spirituosen

1945 und danach: Jahre des Wiederaufbaus

Während zweier Kriegsjahre war die Whiskyproduktion in Schottland komplett verboten (Getreide sollte für Nahrungsmittel verwendet werden und teilweise wurden die Destillerien zur Erzeugung kriegswichtiger Waren benötigt). Auch nach dem Ende des Krieges dauerte es lange, bevor eine nennenswerte Anzahl von Destillerien wieder normal produzierte.

60er Jahre: Der Siegeszug des Malt Whisky beginnt und Scotch Whisky wird zur Spirituosen Nr. 1

In den sechziger Jahren wurde zum ersten Mal im großen Stil Malt Whisky weltweit vermarktet und seitdem ist er aus der Spirituosenszene nicht mehr wegzudenken. Auch Blended Whisky nimmt an Beliebtheit zu und so wird Scotch Whisky insgesamt weltweit zur Spirituosen Nr. 1 (in Griechenland wird mehr Whisky als Ouzo getrunken und in Frankreich mehr Whisky als Cognac).

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The Famous Grouse hat die Veröffentlichung unterstützt und erhielt somit einen entsprechenden Platz z.B. bei der Auswahl des Bildmaterials.
Alle Tipps und Empfehlungen sind jedoch unabhängig davon entstanden. So ist ein Besuch in der Distillery Glenturret in jedem Fall eine Empfehlung wert und so gehören die Produkte auch bereits vor der Entscheidung des Unternehmens, dieses Werk zu unterstützen, zu den erklärten Lieblingswhiskys des Autoren – von denen es zugegebenermaßen eine ganze Reihe gibt :-)

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Wir danken an dieser Stelle ihre freundliche Unterstützung.
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Der Autor

Der Autor ist seit 1994 für die redaktionellen Inhalte von WHISKY.DE verantwortlich und gibt seit 1998 die Email-Newsletter WHISKY FLASH und WHISKYMANIA NEWS heraus.
Die Grundlage dafür ist sein erlernter Beruf: er ist promovierter Historiker. Der ausgeübte Beruf ist der eines Geschäftsführers der HBB Datenkommunikation und Abrechnungssysteme GmbH, einem IT-Unternehmen, das Software im Bereich Informationsverarbeitung und Qualitätsmanagement herstellt – beides zusammen hat viel dazu beigetragen, dass WHISKY.DE zum erfolgreichsten unabhängigen Internetauftritt im Bereich Whisky wurde und seit Jahren geblieben ist.

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