Für frühere Leser und Leserinnen leicht erkennbar, hat sich das Aussehen des Buches geändert. Das kommt, weil es einen neuen Sponsor gibt und weil ein wenig frische Farbe und neue Photos der Sache nicht abträglich sind. Der Inhalt ist nicht so stark verändert wie es auf den ersten Blick erscheinen mag, nur ein wenig umgestellt und an einigen Stellen aktualisiert. Ich wünsche mir, dass diese Ausgabe ebenso gut angenommen wird wie die vorhergehenden und bin für alle Anregungen, Lob und Kritik dankbar.
Clemens Dillmann,
Hannover Feburar 2007
Dieser Satz, der schon seit der ersten Ausgabe ganz oben in diesem Buch steht, sagt vielleicht mehr als jeder andere über Whisky aus. Er begründet zum einen den beinahe unglaublichen Erfolg des Getränks und beschreibt zum anderen die maßgebliche Eigenschaft des Gegenstandes, um den es geht.
Kaum eine Aussage in diesem Buch trifft für alle Whiskys zu. So wird Whisky nicht zweimal oder dreimal gebrannt, sondern es gibt viele, die zweimal gebrannt werden, einige, die dreimal gebrannt werden und bei manchen könnte man sogar sagen, dass sie zweieinhalbmal gebrannt werden. Die Vielfalt findet sich bei der Herstellung genauso wie in der Geschichte oder Vermarktung und sie ist es, die eine große Zahl von Menschen so fasziniert, dass sie sich ausführlich mit dieser Spirituose beschäftigen. Diese Beschäftigung schließlich führt zu etwas, was ich als Whisky-Gemeinde bezeichnen möchte. Es gibt eine Vielzahl von Whiskyklubs weltweit, wo in trauter Runde Herstellung und Geschmack in Theorie und Praxis durchgenommen werden. Entsprechend den technischen Errungenschaften unserer Zeit bildet sich das auch im Internet ab, wo die Zahl der Seiten zu dem Thema unüberschaubar ist.
Sehr selten wird dort allerdings eine der eigentlich wichtigsten Eigenheiten des Getränks ausgeblendet: der Alkoholgehalt oder besser die Wirkung desselben auf Körper und Geist. Zwar wird ausgiebig darüber diskutiert, ob nun eine Abfüllung in Fassstärke besser ist als eine auf Trinkstärke reduzierte, aber die Wirkung des Alkohols wird mehr oder minder aktiv ausgeblendet. Doch die wenigsten Dinge in unserem Leben haben nur positive oder nur negative Aspekte und was passiert, wenn man bei einem Genussmittel die negativen Seiten verdrängt, wird uns gerade sehr deutlich durch die Zigarettenindustrie aufgezeigt, wo Werbeverbote, Schadensersatzklagen und andere unerfreuliche Dinge an der Tagesordnung sind. Ich bin deshalb der Meinung, dass man offensiv mit dem Satz „Alkohol ist eine Droge“ umgehen sollte und das Für und Wider auch beim Whisky offen diskutieren muss, denn nur dann kann ein wirklich nachhaltiger Genuss für den Einzelnen entstehen und unerwünschte Folgen weitgehend vermieden werden.
Whisky ist eine herrliche Sache und um sie richtig genießen zu können, sollten ein paar Dinge bekannt sein. Es gibt kaum einen angenehmeren Genuss als mit Freunden und ein paar Gläsern zusammen zu sitzen und darüber zu reden, wie die verschiedenen Whiskys sich unterscheiden, warum dieser eine bei einer bestimmten Temperatur gerade so schmeckt wie er schmeckt, welchen Einfluss das Fass auf den anderen gehabt haben könnte, ob das Moorwasser, aus dem der dritte hergestellt wurde, nicht vielleicht doch Spuren hinterlassen hat, und ob der Wechsel des Distillery-Managers im Jahre 1981 zu einem Wechsel der Herstellungsweise führte und und und… Wie bereits erwähnt, die Vielfalt macht die Faszination aus.
Das heißt nicht, je mehr man über Whisky weiß, desto mehr geschmackliche Autorität besitzt man, zwar ist Wissen nie verkehrt, aber Kopf und Bauch oder in diesem Fall Kopf und Zunge sind immer noch zwei verschiedene Dinge. Neben dem Wissen gehört eine Konzentrationsfähigkeit auf die eigene Wahrnehmung dazu. Auch die kann wie die sensorischen Fähigkeiten bis zu einem gewissen Grad trainiert werden, beide sollten es auch, aber erst wenn Wissen und Sensibilität zusammenkommen, kann man sich dem „Ding an sich“, dem Whisky, wirklich nähern.

In diesem Sinn ist wie immer der Weg das Ziel und so sollte niemand vor Ehrfurcht vor Whisky-Kennern erstarren, denn jeder Einsteiger, der der Sache offen gegenübersteht ist dem Ziel näher als ein alter Kenner, der auf seinem Wissen ausruht.
In diesem Sinne: Sláinte!